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Werden Leerverkäufe (Short Selling) unterstützt?

Verfasst von Niklas Klamm

Kurz gesagt: Nein – Leerverkäufe sind aktuell kein Feature, das Parqet aktiv unterstützt. Du kannst Short-Positionen zwar technisch eintragen, unsere Renditekennzahlen können sie aber nicht korrekt verarbeiten. In diesem Artikel erklären wir dir, woran das liegt und was du tun kannst.

Warum funktioniert die Renditeberechnung bei Shorts nicht?

Alle Renditekennzahlen in Parqet basieren auf dem FiFo-Prinzip (First In - First Out). Das bedeutet: Zuerst gekaufte Stücke werden auch zuerst verkauft. Diese Logik setzt voraus, dass ein Kauf zeitlich vor dem zugehörigen Verkauf stattfindet.

Bei einem Leerverkauf ist diese Reihenfolge genau umgekehrt – du verkaufst zuerst Stücke, die du dir geliehen hast, und kaufst sie erst später wieder zurück, um die Position zu decken. Für unsere Berechnungslogik ist das kein vorgesehenes Szenario. Das führt dazu, dass dir bei Renditen, Gewinnen/Verlusten und teilweise auch im Performance-Chart fehlerhafte Werte angezeigt werden.

Typische fehlerhafte Anzeigen bei (teilgedeckten) Shorts

Besonders auffällig wird das Problem, wenn du eine Short-Position eingetragen und nur teilweise gedeckt hast – ein Restbestand also noch offen ist. In diesem Fall kann es passieren, dass:

  • der unrealisierte Verlust deutlich zu hoch angezeigt wird - oft um ein Vielfaches des tatsächlichen Werts,

  • der realisierte Gewinn/Verlust mit 0 € ausgewiesen wird, obwohl du bereits Teile der Position zurückgekauft hast,

  • die Rendite extreme Werte annimmt (z. B. -100 % oder schlimmer, teilweise auch dreistellig negativ).

Hintergrund: Die Kostenbasis der bereits gedeckten Stücke wird durch die FiFo-Logik fälschlich dem noch offenen Restbestand zugerechnet, statt als realisierter Verlust ausgewiesen zu werden. Dieser Effekt verschwindet, sobald die Short-Position vollständig gedeckt ist.

Sind Leerverkäufe auf der Roadmap?

Leerverkäufe waren in der Vergangenheit nur sehr selten ein Thema unserer Nutzer und werden auch heute kaum nachgefragt. Aus diesem Grund haben wir aktuell keine Pläne, dieses Szenario in naher Zukunft offiziell zu unterstützen.

Falls du dir diese Funktion trotzdem wünschst, kannst du sie in unserem Feature-Voting-Tool einreichen oder bestehende Vorschläge mit deiner Stimme unterstützen. So sehen wir, wie hoch die Nachfrage tatsächlich ist.

Was kann ich tun, wenn ich eine Short-Position offen habe?

Solange deine Shortposition offen ist, werden die Renditekennzahlen für dieses Wertpapier nicht korrekt berechnet. Sobald du die Position vollständig gedeckt hast (also zurückgekauft hast), löst sich das Problem in der Regel von selbst, da die FiFo-Logik dann wieder aufgeht.

Zwischenzeitlich können wir gegen die fehlerhafte Anzeige leider nichts tun. Wenn du nur einzelne Trades dokumentieren möchtest, kann es helfen, die Position in einem separaten Portfolio (z. B. „Trades" oder „Derivate") zu führen, damit die Gesamtperformance deines Hauptdepots nicht verzerrt wird.

Gilt das auch für Short-ETFs oder Put-Optionsscheine?

Nein. Short-/Inverse-ETFs, Put-Optionsscheine, Short-Knock-outs/Turbos und ähnliche Hebelprodukte sind aus Sicht von Parqet ganz normale Long-Positionen auf ein Produkt, das selbst auf fallende Kurse setzt. Diese kannst du also ganz normal als Kauf und Verkauf eintragen - die Renditeberechnung funktioniert hier wie gewohnt.

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